Dieses Projekt wurde nach dem Besuch der Surui beim Festival d’Avignon im Jahr 2008 von der französischen Schauspielerin Agnès Soral, ins Leben gerufen, die seit 2005 Schirmherrin von Aquaverde ist.
Der Stammesführer Almir Surui hat sie ausdrücklich um Unterstützung bei einer Theaterausbildung gebeten, um eine neue Form der Weitergabe ihrer ökologischen Botschaft in der ganzen Welt zu finden.
Agnès konnte anerkannte Persönlichkeiten zur Unterstützung dieses umfangreichen Projektes gewinnen, so beispielsweise den Regisseur Serge Sandor und die Schriftstellerin und Musikerin Corine Sombrun. |

Agnès Soral in Begleitung von Almir Surui (rechts) und Arildo Surui (links), Biologe des Stammes, im August 2008 in den Strassen von Avignon.
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Almir Narayamoga Surui, indigener Stammesführer der Surui (Bundesstaat Rondônia in Brasilien) im Amazonas-Regenwald und eine bedeutende Persönlichkeit im heutigen Brasilien, erzählt uns die beeindruckende Geschichte seines Stammes, der vor zweiundvierzig Jahren auf den weissen Mann gestossen ist. Nachdem sein Volk den weissen Mann mit Pfeil und Bogen von seinem Gebiet vertrieben hat und fast vom Aussterben bedroht war, muss es heute lernen, sich der Moderne anzupassen … und mit den Waffen der modernen Kommunikationstechnologie zu kämpfen. So ermöglicht es ihnen beispielsweise Google, ihre Botschaft zu verbreiten.
Die Surui pflegen das traditionelle Wissen um ihren Regenwald und pflanzen Bäume, da ihr Überleben davon abhängt. Sie versuchen, sich weltweit Gehör zu verschaffen und bitten um Unterstützung. Wir teilen diesen Kampf, da das Amazonas-Gebiet die grüne Lunge der Erde ist und sein Aussterben katastrophale Auswirkungen auf die Menschheit hätte.
Mit Unterstützung von Thomas Pizer, Präsident des Vereins Aquaverde und Adoptiv-Mitglied des Surui-Stammes, lauschen Agnès Soral, Serge Sándor und Corine Sombrun den Geschichten von Almir und seinem Volk, um mit ihnen gemeinsam ein Theaterstück zu schreiben, dass die vergangenen fünfzig Jahre der Surui erzählt, in denen das kulturelle und ökologische Gleichgewicht dieses Volkes so nachhaltig erschüttert wurde.
Sie bieten ihnen die Möglichkeit, sich mithilfe von Schreib-, Schauspiel- und Musikkursen auf einer Theaterbühne auszudrücken. Die Surui werden zu Darstellern ihrer eigenen Geschichte.
Dieses Schauspiel ist geprägt von ihren Traditionen, ihrer mündlich überlieferten Kultur, ihren Geschichten und Legenden, ihrem Gesang und ihrem Willen, ihren legitimen Ansprüchen auf eine poetische Art und Weise Gehör zu verschaffen.
Unter der Leitung von Jean Bauer lernen sie auch, wie ein Kostüm- und Bühnenbildner arbeitet, damit sie in Zukunft allein eine Theaterbühne gestalten können. Dafür verwenden wir im Wesentlichen Material, das den Surui vor Ort zur Verfügung steht.
Das Theaterstück wird zunächst in ihrem Dorf und in der näheren Umgebung aufgeführt. Später wird die Gruppe das Stück in zahlreichen Theatern in ganz Brasilien und über seine Grenzen hinaus aufführen.
In einer Dokumentation erzählt Agnès Soral von diesem zwischenmenschlichen und künstlerischen Abenteuer und bezeugt die kulturelle Stärke und den Überlebenswillen dieses Volkes, ohne jedoch ihre Traditionen und ihr althergebrachtes Wissen zu verleugnen. Die Art, wie die Surui die Erde wahrnehmen, kann uns zum Vorbild gereichen.
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Corine Sombrun, Natin Surui, Thomas Pizer, Serge Sandor, Eliane Surui, Agnès Soral, Marimop Surui, Arildo Surui |
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Was ist in 20 Jahren vom Regenwald noch übrig? Wir entziehen der Erde ihre grüne Lunge, die für den Erhalt unseres weltweiten Klimas notwendig ist. Wir verdammen ganze Landstriche zu einer vollständigen und unumkehrbaren Degradation ihrer Böden. Andere Landstriche leiden unter erheblichen Überschwemmungen. Das Amazonas-Gebiet ist das weltweit grösste Süsswasserreservoir. 2/3 des weltweiten Süsswasserbedarfs stammen aus dem Amazonas-Gebiet und 1/3 des weltweiten Regenwaldes wächst in dieser Region!
Die Surui-Indianer können mit ihren Erfahrungen aus dieser Ausbildung auch nach unserer Abreise eigenständig andere Theaterstücke verwirklichen und mittels der Schauspielerei ihre Botschaft verbreiten. Und das Interesse bei vielen anderen wecken …
Deshalb liebe ich den Regenwald … den es nicht erst seit vierzig Jahren gibt. Die Motivation der einzelnen Teilnehmer aus der westlichen Welt:
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" Ich bin auf dem Land in "Meudon-la-Forêt" aufgewachsen. Die Hauptstrasse trennte die Wohnhäuser vom Wald. Es herrschte aber nicht viel Verkehr und wir brauchten auch keine Lärmschutzwälle. Ich habe die Strasse vorsichtig überquert, um die frische Luft im Wald zu atmen, auf die Eichen- und Kastanienbäume zu klettern und dem Gesang der Vögel zu lauschen..
Das Wochenende habe ich oft nur mit meinem Vater im Birkenwald von Fontainebleau verbracht, wo wir einige Hektar Land besassen. Der Wald war touristisch noch nicht erschlossen und wir haben in der Jagdhütte meines Vaters übernachtet oder bei den Felsen unter freiem Himmel geschlafen.
Eines Tages beschloss die Armee, aus Fontainebleau ein Schiessübungsgelände für ihre Panzerfahrzeuge zu machen. Man hat uns enteignet. Riesengrosse Monster auf Ketten, die sich wie riesige Kiefer aus Stahl in den Boden frassen und nichts als eine Sandwüste hinterliessen !
Mein Vater war ein Umweltschützer der ersten Stunde und hat uns mit den Gerichtsprozessen in den finanziellen Ruin getrieben, aber er hat den Wald von Fontainebleau gerettet. Heute ist Fontainebleau ein „grünes“ Wandergebiet, das für jedermann zugänglich ist. Die Stadt "Meudon-la-Forêt" hingegen kann nicht mehr frei atmen, da ihr Wald der Urbanisierung zum Opfer gefallen ist. Es gibt mehr Autos als Vogelarten, die grösstenteils ausgestorben sind..
2006 habe ich an einer Unterhaltungssendung auf dem französischen Kanal TF1 teilgenommen, die im Amazonas-Gebiet spielte. Ich habe den Verein Aquaverde vertreten, der an der Seite des Surui-Volkes für die Rettung von 250.000 Hektar unberührten Regenwaldes kämpft und von Bodendegradation betroffene Gebiete wieder aufforstet. Ich habe gehofft, die breite Öffentlichkeit über die Dringlichkeit des Projektes aufmerksam machen zu können, aber die Sendung war nicht darauf angelegt, dieses Anliegen zu erläutern. Mit meinem Erlös aus dieser Sendung und der Hilfe von Aquaverde konnten die Surui 4.000 Bäume pflanzen.
Seit ich die Surui kennengelernt habe, lässt mich die Idee nicht mehr los, dass sie die Geschichte ihres Regenwaldes der ganzen Welt erzählen müssen …"
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"Ich bin in zunächst in Burkina Faso aufgewachsen, dann im südlichen Frankreich. Mir waren Kakteen, die Savanne, Garigue-Landschaften und der Duft von Thymian vertraut, während das Wort "Regenwald" für mich immer den Alptraum einer feucht-düsteren Landschaft symbolisierte. Bis zu dem Tag, an dem ich einen Bericht für den BBC World Service machen sollte, für den ich sieben Wochen im Peruanischen Amazonas-Gebiet bei den Kapanahua-Indianern verbracht habe.
Bei meiner Ankunft vor Ort war mir durchaus bewusst, dass ich mich in der grünen Lunge der Erde befinde, dennoch war mein erster Gedanke, dass diese riesigen Bäume, in deren düsteren Schatten die Menschen dort lebten, doch erst einmal richtig gestutzt werden sollten.
Diese Menschen haben mich freundlich aufgenommen. Und zu meiner grossen Überraschung wurde mir klar, in welcher Harmonie sie mit ihrer Umwelt lebten. Allmählich brachten sie mir bei, "ihre" Bäume zu erkennen. Sie stellten sie mir vor wie ihre Familienmitglieder, sie lehrten mich, welche Lieder man singen musste, um mit ihnen in Kontakt zu treten, sie erzählten mir ihre Geschichten, ihre Legenden, ihre Qualitäten, ihre Fehler, einige von ihnen waren männliche, einige weibliche Arten, einige benahmen sich wie Schelme und konnten mein Aussehen annehmen, aber sie alle hatten eine entscheidende Rolle: den Menschen Wissen zu vermitteln. Mit einer kleinen Einschränkung, denn dies galt nur für die Menschen, die sich die Zeit nehmen, sie zu betrachten, mit ihnen zu sprechen und ihnen zuzuhören …"
Sie haben schliesslich einen Teil ihres Wissens über heilende Wirkungen mit mir geteilt, die alle diese unzähligen Bäume und Pflanzen in sich tragen. Die abgekochte Rinde des Cupuna-Baumes lindert eine Depression. Die Rinde des Papairuna-Baumes lindert Koliken, aber in Zuckerrohralkohol eingeweicht lindert sie Muskelverspannungen. Die Jenipapo-Frucht wird gegen Husten und Asthma verwendet. Die Katzenkralle enthält abgekocht oder als Aufguss einen entzündungshemmenden Wirkstoff, der auch bei Krebserkrankungen eingesetzt wird …
Ich habe entdeckt, dass der Amazonas-Regenwald nicht nur eines der vielfältigsten Modelle für Biodiversität darstellt, sondern auch eine echte und riesengrosse "natürliche Apotheke" ist, deren heilende Fähigkeiten heute erst zu 2% erfasst und im Labor analysiert sind. Es scheint völlig absurd und unverantwortlich, der Menschheit einen solchen Schatz vorzuenthalten."
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"Ich komme aus der Stadt und wollte schon immer die Welt kennenlernen. Ich kenne die Wüste besser als den Wald, aber ich hatte schon immer eine Leidenschaft für vergangene Kulturen. Meine Reisen waren oft Grundlage für meine Bücher und Inszenierungen. So habe ich die ausgestorbenen Kulturen der Maja, der Olmeken oder der Azteken entdeckt, als ich in Mexiko gelebt habe. Als ich ihre Monumente betrachtete und auf ihre Pyramiden stieg, die von einer unendlich feinsinnigen und manchmal äusserst gewaltsamen Kultur zeugen, vermischten sich bei mir immer Schmerz und Faszination. Ich bedauere zutiefst, dass die Spanier sie unter ihren wunderbaren Kirchen und Kathedralen begraben haben !
Ich hoffe inständigst, dass die Bäume des Amazonas-Gebiets nicht zu zukünftigen Pyramiden werden, die die Touristen ohne grosses Schuldbewusstsein bewundern, als ob das Schicksal der amerikanischen Indianer nicht gleichzeitig Ursache und Wirkung der Eroberungsfeldzüge gewesen ist, sei es militärischer oder heute kommerzieller Art.
Ich möchte mich diesen Männern und Frauen nähern und durch sie ihre Stärke und die Stärke der Natur verstehen, die Aussagekraft eines verletzten, aber noch nicht toten Dschungels. Ich weiss, dass unsere Aufgabe als Künstler auch darin besteht, in entfernt gelegenen Orten vergessene Künstler zu entdecken. Das gilt sowohl für meine Arbeit mit Obdachlosen und Häftlingen, als auch für meine Arbeit mit diesen Volksstämmen, die sich auf so wunderbare Art und Weise auf der Bühne ausdrücken können." |
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"Ich habe im Laufe vieler Jahre versucht, weltweit gegen die Unmenschlichkeit menschlichen Handelns zu kämpfen, aber ich habe vor den öffentlich zur Schau gestellten weltweiten Katastrophen kapituliert.
Plötzlich rauscht die Stimme des Waldes durch meine elektronische Mailbox. Eine riesige Herausforderung und ein noch nie dagewesener Aufruf:
Die indigene Bevölkerung hat überlebt und die Erinnerung an eine harmonische Verbindung zwischen den Herrschenden und der Natur besteht weiter. Das Volk der Surui lebt diese Harmonie mit allen, die sich ihm anschliessen. Gemeinsam werden wir die Welt durch unsere Überzeugungen und nicht durch Konfrontation verändern.
Ich habe vierzig Jahre auf diesen Aufruf gewartet. Es ist Zeit, ihm eine Stimme zu geben !" |
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Das erste Arbeitstreffen in Paris im März
in Begleitung der Sängerin Grace, ihres Musikers Philippe Aglaé und Luisa Pizer.
Wenn Sie mehr über das Projekt wissen, sich uns anschliessen oder uns unterstützen möchten,
klicken Sie hier, um unserer charmanten Koordinatorin Agnès Soral zu schreiben.
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